Womit helfen wir anderen?
Es ist wieder soweit: die jährliche gemeinsame Bezirksversammlung der Quäkerinnen und Quäker aus Nord- und Ostdeutschland steht vor der Tür. Vom 24. bis 26. Mai 2013 findet das Treffen in Wernigerode im Harz statt. Das Thema der Versammlung lautet „Helfen“. Was bedeutet Helfen für uns? Womit helfen wir anderen? Warum helfen wir? Hilft unsere Hilfe wirklich? Diese und andere Fragen werden gemeinsam oder in kleinen Gruppen besprochen.
In diesem Jahr wird die Quäker-Hilfe, das deutsche Hilfswerk der Religiösen Gesellschaft der Freunde, 50 Jahre alt. Sie hat sich im Herbst 1963 als Verein gegründet. Dieses Jubiläum ist Anlass der Themenwahl für die gemeinsame Bezirksversammlung in Wernigerode. Aber auch in Berlin wird das 50jährige Bestehen der Quäker-Hilfe in diesem Jahr noch Thema. Am Samstag, 22. Juni 2013 findet eine Veranstaltung im Quäkerbüro in der Berliner Planckstraße statt. Details hierzu folgen.
Mehr Informationen über die Quäker-Hilfe e.V. auf www.quäker-hilfe.de
Quäker-Familienfreizeit
„Wir versammelten uns zur Andacht in dem langen Wohnzimmer, und auf dem Boden saßen, wie gewöhnlich, viele Kinder. Der Raum war ziemlich voll. Dann kam Sophies Vater und stellte sie in ihrer Babytragetasche auf den Boden. Sie war noch sehr klein, und wir hatten nicht erwartet, sie so bald zu begrüßen. Ich sah mich in der Runde der Erwachsenen um und fragte mich, wer von uns sich berufen fühlen würde, einige Begrüßungsworte zu sprechen.
Am anderen Ende des Raumes, Cathy, drei Jahre alt, rutschte vom Schoß ihrer Mutter. Langsam, vorsichtig und meist aufrecht kletterte sie über die anderen Kinder, bis sie die Tragetasche erreichte, wo sie neugierig aufs Baby guckte. Dann drehte sie sich um und schenkte uns allen ein Lächeln reiner Freude. Immer noch lächelnd, ohne ein Wort zu sagen, kehrte sie zu ihrer Mutter zurück.
Es sprach auch sonst niemand. Sophie war in unsere Andachtsgruppe aufgenommen worden.“
William Fraser, 1989 aus dem Buch Quäker Glauben und Wirken
Am Mittwoch, den 22. Mai, wollen wir über unseren Umgang mit Kindern in unserer Gemeinschaft ins Gespräch kommen. Der Abend beginnt um 19 Uhr und findet im Quäkerbüro in der Planckstraße 20 in Berlin-Mitte statt. Wie immer sind Interessierte und Gäste herzlich willkommen.
European and Middle East Young Friends (EMEYF)
Vom 6. bis 12. April trafen sich in Yorkshire Dales in Nordengland vierundzwanzig junge Freundinnen und Freunde aus England, Schottland, Frankreich, Deutschland, Norwegen und den Niederlanden zum jährlichen Spring Gathering von EMEYF (European and Middle East Young Friends). Auch zwei Freundinnen aus der Berliner Quäker-Gruppe waren dabei und berichten von ihren Eindrücken:
Inmitten von Hügeln und Schafen haben wir uns mit dem Thema „The Body Electric: Exploring Spirituality through our Creative Power“ auseinandergesetzt. Mithilfe von Gedichten, Gesang, Handwerk, Bewegung und Theater lernten wir uns selbst und die Gruppe besser kennen. Wir wurden von Freunden aus dem naheliegenden Settle durch zwei Höhlen in der Gegend geführt und erlebten dort in totaler Dunkelheit die Stille. Einen Tag verbrachten wir mit den Leaveners, einer Quäkergruppe aus England, die Theater und bildende Künste in der Gemeinschaft fördern. Hierbei haben wir uns in die Konzepte Spiritualität und Kreativität sowie in die Beziehung zwischen ihnen vertieft. Am letzten Tag wollten wir dem Bio-Bauernhof „Growing With Grace“, der uns mit Gemüse und Obst versorgt hat, in besonderer Weise danken, indem wir ihnen tatkräftig bei der Arbeit geholfen haben.
Von der Woche nehmen wir nicht nur wundervolle Erinnerungen mit, sondern auch neue Freundschaften und Lust auf weitere Treffen. Das nächste Spring Gathering findet in der Region Mazedonien statt – wer kommt mit?
Mehr Informationen über die europäischen Jungfreundinnen und -freunde finden sich auf emeyf.quaker.eu.org
Beacon Hill Friends House
Nach dem tragischen Bombenanschlag auf den Marathonlauf in Boston durchleben die Menschen in der US-amerikanischen Stadt und in der Region heute einen weiteren dramatischen Tag.
Auch Gäste und Mitglieder des Bostoner Quäker-Zentrums Beacon Hill Friends House nahmen an dem Marathonlauf teil oder waren vor Ort, um Läufer zu unterstützen. Auf der Internetseite des Zentrums schreibt die Direktorin Holly Baldwin: „Gemeinschaft ist dazu da, uns gegenseitig zu unterstützen. So können wir Leuchttürme des Lichts, der Hoffnung und der Liebe sein. Diese Leuchttürme sind heute so unendlich wichtig in unserer Stadt und in unserer Welt.“
Unsere Gedanken sind bei allen, die diese schlimmen Ereignisse und ihre Folgen durchleben und verarbeiten müssen.
Zur Internetseite des Beacon Hill Friends House bhfh.org
Berlin, Friedrichstraße
Warum bin ich Quäker? Weil das Quäkertum das Leben ganzheitlich betrachtet. Alltagsleben und Religion sind eine Einheit, und in unserer Einstellung schließen wir ein, nicht aus.
Über die Jahre hat mir die Religiöse Gesellschaft immer Freundschaft zuteil werden lassen. Mensch sein bedeutet, eine eigenständige Person zu sein und daher die Tatsache und das Mysterium des Alleinseins zu kennen. Obwohl ich aus meiner Sicht ziemlich schnell oberflächlichen Kontakt zu Menschen herstellen kann, bin ich oft einsam und erfahre Zeiten des Zweifels und der Dürre. Vor allem dann brauche ich Freunde, die [...] an mich denken und sich fragen, ob ich irgendwelche Bedürfnisse habe, bei denen sie helfen können. Das, was sie von mir nicht wissen, sind sie bereit, Gott zu empfehlen; und wenn wir uns begegnen, geben sie mir das Gefühl, dass ich willkommen bin.
Donald Court, 1965 aus dem Buch “Quäker Glaube und Wirken”
Krypta in Imshausen
Ich kann das Mysterium nicht erklären, wie jemand, der genau wie ich ein Mensch ist, auch angebetet werden kann. Und dennoch, je realer dieses Mysterium für mich geworden ist, war es nicht so, dass Jesus immer mehr Gott glich, sondern dass all meine Brüder und Schwestern Gott glichen.
Durch Jesus erkenne ich Gott in meinem Nächsten – durch ihn habe ich die Einzigartigkeit eines jeden entdeckt. Und es gab in ihm eine Art Bereitschaft, durch seine Feinde besiegt und zerstört zu werden und sie dennoch weiterhin zu lieben. Dies allein machte eine neue Qualität des Lebens danach möglich.
Paul Oestreicher, 1981, aus dem Buch “Quäker Glaube und Wirken”
Mahnwache vor der Waffenmesse Eurosatory
Wenn ich über die Friedensarbeit nachdenke, welche die Quäker in den letzten Jahrzehnten im Nahen Osten, auf Sri Lanka, im Kaukasus und anderswo leisteten, und deren Mangel an Erfolg, stellt sich mir die Frage, ob es die Anstrengung wert war. Was haben wir erreicht? Warum konnten wir keine größeren Veränderungen bewirken? Wir können wohl nur das tun, was unsere Fähigkeiten und unser inneres Licht ermöglichen. Das Ergebnis, ob positiv oder negativ, steht nicht in unserer Hand.
In meiner Friedensarbeit war es mir wichtig, keine festen Erwartungen zu haben und nicht mit Lob und Anerkennung zu rechnen. Vielmehr wollte ich die anstehenden Aufgaben mit innerer Zustimmung angehen, oder wie Woolman sagte, mit der Liebe als erstem Beweggrund. Wir können nicht wissen, welche Auswirkungen unsere Arbeit hat. Sind sie positiv, so ist das nicht unser Verdienst, denn sie kommen aus jener Quelle, aus der auch unsere Liebe und unser Mitgefühl kommen. Das gleiche gilt für unsere Misserfolge: Wir sind nur für die Art und Weise verantwortlich, wie wir eine Aufgabe ausführen. Und wenn wir dabei wahrhaftig gegenwärtig waren, liegt das Ergebnis nicht mehr in unserer Verantwortung. Die Früchte unseres Handelns liegen in der Art und Weise, wie wir leben und wie wir das Leben anderer berühren.
aus dem Buch “Breakthrough to Unity: The Quaker Way held within the mystic traditions“ von Roswitha Jarman
Berliner Andachtsraum
Was geschieht während einer Quäkerandacht? Die Stille steht im Zentrum, doch das heißt nicht, dass es nur um Stille geht. Alle Teilnehmenden sind aufgerufen, in sich hinein zu hören und der „Inneren Stimme“ durch mündliche Beiträge Ausdruck zu verleihen, wenn sie sich dazu innerlich gedrängt fühlen. Im Englischen spricht man daher seltener von “Stiller Andacht”, sondern von „Meeting for Worship“ oder „Unprogrammed Meeting“. Egal wie man die Andacht nennt, sie ist das spirituelle und gemeinschaftliche Herz im Quäkertum.
Am kommenden Mittwoch, dem 13. März 2013, wollen wir uns zwischen 19 und 21 Uhr mit unseren Erfahrungen rund um die Andacht beschäftigen. Der Abend findet in Anlehnung an das Programm „Quaker Quest“ statt, das ursprünglich aus England stammt und sich mit grundsätzlichen Fragen zum Quäkertum auseinandersetzt. Wir haben als deutsche Übersetzung hierfür den Begriff „Quäker-Gespräche“ gewählt, weil es uns darum geht, dass wir uns im Gespräch mit unseren unterschiedlichen Erfahrungen gegenseitig bereichern. Wir vertrauen darauf, dass wir alle voneinander lernen können.
Innenhof der Planckstrasse 20 mit Eingang zum Quäkerbüro
In seiner Reihe zum Thema Religionen berichtete das Deutschlandradio Kultur am vergangenen Samstag über die Quäker. Anhand von Gesprächen und des Besuchs bei einer Andacht der Berliner Quäker skizziert der Journalist Adolf Stock Eckpfeiler des Glaubens und Lebens in der Religiösen Gesellschaft der Freunde.
Der Beitrag greift auch die Hilfstätigkeit der Quäker in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Mit Auszügen einer Sendung des West-Berliner Senders RIAS aus dem Jahr 1960 erinnert er daran, dass damals junge Leute im Rahmen eines internationalen Quäker-Camps alten und hilfsbedürftigen Menschen bei der Renovierung ihrer Wohnung halfen.
Den vollständigen Beitrag nachlesen oder anhören auf dradio.de
Br3nda via Flickr, CC BY-NC-SA 2.0
Wie ernst nehmen Christen das Friedensgebot der Bibel? Dieser Frage möchten wir uns bei unserer diesjährigen Veranstaltung im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ stellen. Der Gesprächsabend wird mit einem Vortrag zum Thema eingeleitet und findet statt am Mittwoch, 20. März 2013, Beginn 19 Uhr, im Quäkerbüro in der Planckstraße. Interessierte und Gäste sind wie immer herzlich willkommen.
Vor 1700 Jahren führte Kaiser Konstantin einen Krieg unter dem Zeichen des christlichen Kreuzes, der zum Sieg führte. Seit dieser Zeit besteht eine enge Verbindung von Staat und Kirche und das Friedensgebot der Bibel wurde verdrängt. Vor 350 Jahren formulierten die Quäker in England ihr Friedenszeugnis, das bis heute wegweisend für die Quäker in der Welt geblieben ist.
Mehr Informationen zur Woche der Brüderlichkeit finden sich auf www. gcjz-berlin.de
Vor dem Visser ‘t Hooft Haus
Unser nächstes Stille-Retreat „Im Sein sein“ wird vom 13. bis 18. Juni 2013 in Imshausen bei Bebra stattfinden. Wie in den vergangen Jahren werden wir im Visser ‘t Hooft Haus der Stiftung Adam von Trott wohnen und auch gemeinsam kochen. Neben der täglichen Andacht wird viel Raum sein zum Schweigen, zum Lesen, Schreiben, Wandern, Malen, …
Es sind alle herzlich eingeladen, die sich nach einer ausgedehnten Stille in guter Gemeinschaft sehnen.
Hier gibt es einen Rückblick auf das Stille-Retreat 2012 und die Einladung als PDF-Datei. Anmeldungen nimmt Ute Caspers entgegen:
Woodbrooke
Viele europäische Quäkergruppen und Andachtskreise sind sehr klein. Nicht wenige Freunde und Freundinnen reisen aus großen Entfernungen an, um sich zu treffen, weil es dort, wo sie wohnen, keine anderen Quäker gibt. So ist es oft eine Herausforderung, mit wenigen Leuten ein lebendiges Gruppenleben zu gestalten.
Woodbrooke in Birmingham, England, als Studienzentrum der Quäker in Europa bietet hier eine gute Möglichkeit, sich zu sammeln, neu inspirieren zu lassen und anderen die eigenen Erfahrungen anzubieten. Seit 1903 können dort Freunde und Menschen unabhängig von ihrem Glauben auftanken und sich mit der Spiritualität, der Philosophie und anderen Aspekten des Quäkertums beschäftigen. Angeboten werden unter anderem Kurse über soziales und politisches Engagement, interreligiösen Dialog, Konfliktbearbeitung und Spiritualität in der Kunst.
Neben den Kurzkursen gibt es auch die Möglichkeit, längere Zeit in Woodbrooke zu verbringen. „Friends in Residence“ sind für das Gemeinschaftsleben und die Andachten verantwortlich und sorgen dafür, dass die Gäste gut betreut werden. Auch die wunderschönen Parkanlagen und Gärten Woodbrookes werden vom Gärtner mit Hilfe von Freiwilligen gepflegt.
Mehr unter Willkommen in Woodbrooke
Gesprächsabend am Mittwoch, 13. Februar 2013, Beginn: 19 Uhr
Honesty is the best policy (sinngemäß: ehrlich währt am längsten), dieser Leitsatz prägte das Bild von Quäkern im Wirtschaftsleben in den letzten Jahrhunderten. In der Wissenschaft galten die Quäker mit als Vorreiter der kapitalistischen Wirtschafts- und Arbeitsethik, gleichzeitig kümmerten sich zahlreiche Quäker-Unternehmer immer wieder um die sozialen Belange der für sie Arbeitenden. Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Quäker im Wirtschaftsleben Englands eine feste Größe. Süßigkeitenmarken wie Cadbury und Rowntree’s, aber auch die Bankhäuser Lloyds und Barclay haben Quäkerwurzeln. Die weltweit bekannten Quaker Oats haben dies im Übrigen nicht.
Quäkertum und verantwortungsbewusstes Wirtschaften, damit beschäftigt sich unser nächster Gesprächsabend am Mittwoch, 13. Februar 2013. Welche frühen Erfahrungen prägen noch heute unsere Haltung zu Wirtschaft und Arbeit? Auf welche neuen Fragen und Herausforderungen müssen wir Antworten finden? Wie leben wir in unserem Alltag verantwortungsbewusstes Wirtschaften? Diese und andere Fragen sollen im Zentrum des Gesprächsabends stehen, der wie gewohnt um 19 Uhr im Quäkerbüro in der Planckstraße 20 beginnt.